The Blue Blog

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07.08.2019

Sprachlos

Heute hat eine 10-jährige Obligation der Schweiz, der sogenannte "10-jährige Eidgenosse" zum ersten mal in der Geschichte eine Rendite von -1% erreicht. Eine so historische, wie bedenkliche Marke, wie ich meine. Investoren bezahlen der Schweiz 1% pro Jahr, damit sie die Bundesobligation halten dürfen. Eine aus marktwirtschaftlicher Sicht perverse Entwicklung. 

Die angehänfte Grafik zeigt den Vergleich der Rendite des 10-jährigen Bundesobligation zur Ausschüttungsrendite von Schweizer Immobilienfonds. Letztere liegt bei knapp unter 3%, erstere - wie erwähnt - seit heute bei -1%. Solche Diskrepanzen erzeugen im Wirtschafts- und Finanzsystem enorme Spannungen, welche sich irgendeinmal auflösen werden. Dafür verantwortlich sind inbesondere die Notenbanken, welche ihre Unabhängigkeit aufgegeben haben und zu Handlangern der Politik geworden sind. Die Politik will nicht, dass die Marktkräfte spielen und wir irgendwann einmal wieder eine Rezession haben. Das Verhalten der Notenbanken ist höchst bedenklich. Sie gewichten die kurzfristige Marktruhe stärker, als die langfristige Stabilität des Systems.

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01.07.2019

Die entscheidenden Fragen

Seit den frühen 2000-er-Jahren gilt: Schwächelt die Konjunktur, sind die Notenbanken zur Stelle. Hatten letztere früher das Mandat, Preisstabilität sicherzustellen, hat sich dieser Fokus unter der Ägide der US-Notenbank «Fed» um den Faktor «tiefe Arbeitslosigkeit» erweitert. Die Fed hat dazu explizit das Mandat. Dies im Unterschied beispielsweise zur Schweizer Notenbank, welche die Preisstabilität und die Solidität des Finanzwesens als Auftrag hat.

Wie so oft geben auch bei den Notenbanken die Grossen den Takt vor, und so hat im Schlepptau von US-Notenbank-Chef Alan Greenspan ab 2005 auch die Europäische Zentralbank (EZB) begonnen, die Konjunktur steuern zu wollen. Allein: Der gute Wille dazu ändert nichts an der Tatsache, dass die Wirtschaft ein zu komplexes System ist, als dass es durch konventionelle Notenbankpolitik – also das Steuern von Zinssätzen oder der Geldmenge – allein gesteuert werden könnte. 

Die Politik gibt die Richtung vor

In den letzten 10 Jahren haben die Währungs- und Konjunkturhüter aufgehört, einigermassen sanft und unabhängig von der Politik in den Markt einzugreifen. Nach der Finanzkrise wurde mit dem Aufkaufen von Staatsobligationen nicht nur ein Tabu gebrochen, es wurde auch auf das grobe Geschütz im Arsenal zurückgegriffen.Konjunkturelle Rückgänge sollten unter allen Umständen vermieden werden, weil man glaube, nach der Finanzkrise 2008/2009 seien die Volkswirtschaften zu fragil, um einen Abschwung zu prästieren. Nicht sämtliche, aber viele Tabus der Notenbankpolitik wurden gebrochen. Die Märkte haben sich gleichzeitig wie ein Süchtiger daran gewöhnt, dass die Währungshüter mit zusätzlichen «Drogen» dafür sorgen, dass es an den Märkten weiterhin bergauf geht.

Wie soll man sich in einer solchen, von den Notenbanken derart stark manipulierten Anlagewelt zukünftig verhalten?

Wille und Fähigkeit

In diesem Kontext stellen sich folgende Fragen: 

  1. Wille zum Eingriff in den Markt: Wird das Primat der Politik via die Notenbanken als Handlanger (und Supermänner) an den Märkten in den kommenden Jahren fortbestehen? Mit anderen Worten: Haben die Notenbanken auch in Zukunft die Freiheit – ja sogar das politische Mandat –, um an den Märkten auch in den nächsten Jahren für Ruhe zu sorgen? 
  2. Fähigkeit zum Eingriff: Wären die Notenbanken dazu mit den ihnen zur Verfügung stehenden Instrumenten überhaupt in der Lage dazu? 

Wir wissen es noch nicht. Aber es wird ein Schwerpunkt unserer Analysen sein. 

Dienen die Notenbanken auch zukünftig den Märkten zu, ist es gut möglich, dass sich Risikoanlagen weiter positiv entwickeln. Die Gefahr von Übertreibungen steigt dann jedoch weiter an.

Es bleibt auf alle Fälle spannend, denn das Tauziehen beginnt wohl erst.

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13.05.2019

Gold: Kaufkraft im Depot

In der Vermögensverwaltung wird Gold gemeinhin als eine Anlagekategorie bezeichnet oder den Rohstoffen zugeordnet. Daran ist grundsätzlich nichts auszusetzen. Wenn man sich allerdings die Frage stellt, welchen wirklichen Zweck Gold im Portfolio hat, kommt man auf die Jahrtausende alte Definition, dass das gelbe Metall nichts anderes ist, als die ultimative Währung. Es kommt nicht von ungefähr, dass bis 1973 der Goldstandard galt, bei welchem verschiedene Währungen mit Gold hinterlegt waren und diese auch gegen Gold eingetauscht werden konnten. Man beachte: Die Währungen waren sozusagen an eine universell anerkannte Währung gebunden. Ein eigentlich geniales System, denn Gold ist anerkannt und knapp – beste Voraussetzungen, um als Tauschmittel zu dienen. Nach der Aufhebung des Goldstandards durchlebte das Metall eine Art Sinnkrise. Es lagerte in zahlreichen Tresoren und fristete als Goldvreneli oder sonstige Münzen ein eher symbolisches Dasein. Selbstverständlich wurde es immer auch als Rohstoff für die Schmuckindustrie oder verarbeitende Industrie verwendet. Den Tiefpunkt seiner Bedeutung hatte das Gold wohl Anfang der 2000-er-Jahre, als verschiedene Nationalbanken – so auch die Schweizer Nationalbank SNB – Teile ihrer Goldreserven verkauften. Wie so oft kann der Mainstream als Kontra-Indikator angesehen werden. Wenn alle Welt Gold loswerden will, ist vielleicht ein guter Zeitpunkt, sich auf der Gegenseite zu positionieren. Und so war es auch 2003, als die SNB die letzten zur Disposition stehenden Goldbarren für rund USD 300.- pro Unze auf den Markt gab. Ab diesem Zeitpunkt setzte die ultimative Währung zu einem Rally an, welches den Preis pro Unze fast versechsfachte und 2011 auf USD 1'800.- trieb. In den letzten fünf Jahren dümpelte der Preis zwischen USD 1'200.- und 1'400.-.

Verschiedene berühmte Investoren wie beispielsweise Warren Buffett können dem Gold nichts abgewinnen, weil es keinen Ertrag abwirft. Diese Haltung kann ich durchaus verstehen. Das Halten von Gold wird aber mit der Fortdauer des Seitwärtstrends «erträglicher», wenn man Gold mental zur Liquiditäts-Quote zählt, weil es schliesslich die «ultimative Währung» darstellt, welche in Krisenzeiten an Kaufkraft gewinnt. Wenn man Gold mit diesem «Mindset» hält, gewinnt es an Attraktivität. Gold-ETFs werden so sozusagen zu Geldmarkt-Fonds mit einer Call-Option auf Kaufkraft.

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29.04.2019

CHina

In den letzten Tagen wurde viel über das "Belt & Road"-Powerplay der Chinesischen Regierung geschrieben. Bundespräsident Maurer weilt in China, um einerseits einen Staatsempfang der Schweiz zu geniessen, andererseits auch um wirtschaftliche Beziehungen im Rahmen der genannten Chinesischen "Initiative" zu knüpfen.

Ich persönlich war 2001 erstmals in China und habe gesehen, was bereits damals "abging". Per se mag ich die Chinesen: Sie sind ein anständiges und sehr tüchtiges Volk. Andererseits aber ist China eine sozialistische Diktatur, welche den Kapitalismus geschickt nutzt, um seine globale Macht auszubauen. Die Art und Weise, wie sich dieses Riesen-Reich ausbreitet, ist fast beängstigend. Zumal es auf einen gerade wegen dieser schieren wirtschaftlichen Gewalt gelähmten Westen trifft. China wird im Westen immer mehr an Macht gewinnen. China wird sich in den nächsten Jahren immer mehr ausbreiten und dabei Cheque-Buch-Diplomatie betreiben, wie es dies soeben in Italien getan hat: Die Chinesen bezahlen den notorischen Zauderern die verschlafene Erneuerung der Infrastruktur, wenn Italien dafür seine Grenzen und Verkehrswege öffnet. Der Westen und insbesondere Europa sind schon fast gefallen. Zu schwach ist das mit sich selbst beschäftigte Staatengebilde "EU", als dass es der "Super Power" China mit einer klugen Strategie entgegentreten könnte. Die USA ist zu weit weg und zu müde, um den noch müderen Europäern zur Seite zu stehen.

Was kann und soll die Schweiz tun? Ein kleines Land wie die Schweiz (man kann es ja schon fast nicht mehr hören, aber wir sind es nun einmal mit allen Vor- und Nachteilen) hat keine andere Wahl, als bei dieser epochalen geopolitischen Verschiebung der Macht clever mitzuspielen. Sie muss sich als kleiner, neutraler Global Player im Herzen von Europa positionieren. So kann die Schweiz von der massiven Ausweitung des Chinesischen Einflusses profitieren, ohne gänzlich überrollt zu werden. Wer mitspielt, kann auch die Regeln mitbestimmen. China braucht in Europa verlässliche und stabile Verbündete. Die EU ist es nicht, Italien oder Griechenland sind es sowieso nicht. 

Ob wir den Gedanken mögen, oder nicht: Die Schweiz hat keine andere Wahl, als ein Verbündeter von China zu sein. Dass man in dieser Position die Menschenrechte ansprechen und erwähnen kann, dass man weiss, wie Demokratie funktionieren würde, versteht sich von selbst. Und selbstverständlich: Wir haben und werden es bis auf weiteres mit einer sozialistischen Diktatur zu tun. Dem muss man sich bewusst sein. Aber sowohl in der Politik, wie auch in der Wirtschaft gilt: Man hat keine Freunde, nur Interessen. So läuft das nun einmal.