Institute of Progressive Finance.

Solide, klar, frisch.
Als auf fortschrittliche Lösungen spezialisiertes Institut erbringt The Blue Finance umfassende Dienstleistungen für Firmen, Institutionen und Private. Die Aspiration für unsere Arbeit: Solide wie ein Felsen, klar und frisch wie Bergquellwasser.

Fortschrittlich bedeutet dabei für uns: aufgeklärt, verantwortungsvoll und zukunftsorientiert.

Es ist unser Anspruch, dass sich die erbrachten Leistungen von der Masse abheben und sich die Lösungen nicht immer im Naheliegenden finden. Das Abweichen vom «Mainstream» und die Weiterentwicklung von Bestehendem sollen — wie in der Jazz-Musik — immer eine Option sein.

Partnernetzwerk für höchste Anforderungen
Bei der Erbringung ihrer Dienstleistungen greift The Blue Finance auf ein Netzwerk an Partnern zurück, welche den hohen ethischen, fachlichen und persönlichen Anforderungen der Firma standhalten. 

Kompromisslose Unabhängigkeit und Integrität sind die obersten Maximen von The Blue Finance. Wir arbeiten im besten Interesse unserer Kunden und werden ausschliesslich durch diese bezahlt.

Blog

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12.03.2020

Schwarzer Schwan

Die Corona-Krise hat die Welt mit voller Wucht erfasst. Wir wissen noch nicht, wie das alles ausgehen wird. Aber eines ist sicher: Wir werden eine globale Rezession haben. Alles andere wäre bei diesen massiven Einschnitten in Gesellschaft und Wirtschaft, welche das Corona-Virus mit sich bringt, ein Wunder. Ist das schlimm? Ja sicher ist das schlimm. Aber es ist auch so: Bis vor 10 Jahren gab es noch Wirtschaftszyklen, in welchen sich relativ lange Boom-Phasen mit relativ kurzen, aber teilweise heftigen Rezessionen abgewechselt haben. Mit meinen bald 44 Lenzen habe ich dies einige Male miterlebt. Aber eben seit 2009 nicht mehr.

Seit die globalen Notenbanken sich gemüssigt fühlen, sämtliche Unannehmlichkeiten von der Wirtschaft abzuwenden, hatte diese seit über 10 Jahren keine Möglichkeit mehr, ihre Abwehrkräfte zu stärken, indem nicht überlebensfähige Strukturen durch die Kräfte des Marktes ins Jenseits befördert wurden. Die Notenbanken sind beim kleinsten Schnupfen zu Hilfe gekommen und haben die Wirtschaft gestützt. Das ist etwa so, wie wenn der Arzt bei jedem Schnupfen gleich mit starken Medikamenten Abhilfe schaffen würde. Noch schlimmer: Die Notenbanken haben die Dosis nicht vermindert oder das Medikament abgesetzt. Die Folge: Die Märkte waren süchtig nach Aktionen der Notenbanken. Auch wenn diese faktisch fast kein Wachstum gebracht haben, weil die Wirtschaft aufgrund des fortdauernden Notfalls-Modus der Notenbanken einen Investitionsstau hatte und abwartete, bis wieder «normale Zeiten» anbrechen. Nur, diese brachen nie an. Seit über 10 Jahren sind wir im Ausnahmemodus.

Die Notenbanken in den strukturschwachen Regionen Europa und Japan haben in den ersten zwei, drei Jahren nach der Krise gute Arbeit geleistet. Seither haben sie insbesondere in der EU unter der Ägide von Mario Draghi total versagt. Er hat zwar die Politik immer wieder gemahnt, sie solle die Führung bei der Stärkung der wirtschaftlichen Strukturen in Europa übernehmen (z.B. Liberalisierung der Arbeitsmärkte), mehr aber nicht. Politiker und Politikerinnen vom Schlage einer Angela Merkel haben die Probleme eins ums andere Mal weggelächelt oder einfach nichts getan. Draghi liess sich vorführen.

Ich persönlich hatte auf eine Situation gewartet, in welcher die Notenbanken wieder auf ihre eigentliche Funktion (die Wahrung der Geldwertstabilität) zurückgestuft werden. Ein Szenario, wie wir es zurzeit erleben, hätte ich mir aber nicht in den kühnsten Träumen ausgemalt.

Nun sind wir an einem Punkt, an welchem die Weltwirtschaft von einem «schwarzen Schwan», von einem Angebots- und Nachfrage-Schock gleichzeitig getroffen wird. Das ist zwar für uns alle ungemütlich, aber in Sachen Notenbankpolitik wird diese schwierige Zeit hoffentlich heilsam sein, weil die Notenbanken schlichtweg machtlos sind. Ihre Aktionen zeigen keine Wirkung, weil die Wirkungskette fehlt und sie abgesehen davon ihr Pulver verschossen haben. Nun liegt der Ball seit langem wieder einmal bei den passiv und ratlos gewordenen Regierungen des Westens. Ob sie diesen Weckruf – oder ich würde sagen diese Sirene – hören, wird sich zeigen. Wahrscheinlich schon, aber leider zu spät. Die Pandemie ist Tatsache. Die Behörden haben die Wahl zwischen der Pest und der Cholera. Entweder würgt man die Wirtschaft mit tiefgreifenden Massnahmen ab und kann so die Ausbreitung abdämpfen. Oder man greift nicht zu stark ein und riskiert, dass die Wirtschaft durch das Virus lahmgelegt wird. Die Corona-Krise wird aber tiefe wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Spuren hinterlassen. Es soll nicht der letzte Blog-Beitrag zu diesem Thema gewesen sein.

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06.03.2020

Beim Exit Botschafter gewinnen

Firmen verwenden sehr viel Energie und «Hirnschmalz» darauf, Kunden zu gewinnen. Sie zeigen schon etwas weniger Verve, wenn es darum geht, den Kunden – wenn er unterschrieben respektive «ja» gesagt hat – in das Ökosystem einer Firmen aufzunehmen. Die Motivation, einen Prozess gut und mit den notwendigen «Wow»-Effekten auszustatten sinkt dann beim Kunden-Exit-Prozess, wenn die Kundenbeziehung aufgelöst wird, auf ein bedenklich tiefes Niveau. Dabei ist es als fortschrittliche Firma wichtig, die ganze «Customer Journey», also den ganzen Kunden-Lebenszyklus so auszugestalten, dass die Kunden begeistert, ja sogar inspiriert sind.

Sogar die Verabschiedung der Kunden muss bei diesen positiven Gefühle auslösen.  

Denn wie sagt doch der Volksmund so schön: Man sieht sich im Leben immer zweimal. Ein positiver letzter Eindruck ist immer wichtig. Selbstverständlich ist es beispielsweise im Konsumgüterbereich nicht einfach, wenn sich die Wege trennen einen positiven Eindruck zu hinterlassen, weil die Anbieter dies ja gar nicht mitbekommen. Die Kunden «stimmen mit den Füssen ab» und ziehen ein Gut einfach nicht mehr in Betracht. Im Dienstleistungssektor allerdings, in welchem sich die Kunden sozusagen an ein System andocken, können die Chancen für eine Rückkehr aktiv gesteuert werden. Je jünger die Kunden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass man als Dienstleister eine zweite Chance bekommt. Ein einfacher «Onboarding»-Prozess natürlich vorausgesetzt.

Es ist jedoch erstaunlich, wie viele Firmen im Finanzsektor oft grosse Mühe zu haben scheinen, die Entflechtung des Kunden von der Firma angenehm zu gestalten. Einerseits ist hier ein fundamentaler Wandel in der Einstellung («Mindset») des Managements gefragt. Es muss den Exit-Prozess explizit als wichtigen, das Image stark prägenden Teil der Customer Journey definieren. Andererseits sind die Produktemanagement-Abteilungen gefordert, mit einfachen Methoden wie «Walk Throughs» und Entscheidungsbäumen zu testen, welche Prozesse die Kunden beim Verlassen des Instituts zu durchlaufen haben und wie sie sich dabei fühlen.

Eines darf man nicht vergessen: Nicht nur zufriedene Kunden können zu neuen Kunden führen, auch zufrieden ehemaligen Kunden können als Botschafter agieren.

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20.01.2020

Prognostiker

Wenn neue Jahre oder sogar Jahrzehnte anbrechen sind Prognostiker jeweils wieder vielbeschäftigte und im wahrsten Sinne des Wortes gefragte Leute. Es liegt in der Natur des Menschen, dass er wissen will, was die Zukunft bringt, weil er weiss, dass sich die Vergangenheit nicht wiederholen wird. Auch bei der Arbeit als Vermögensverwalter arbeitet man für und in die Zukunft. Man muss sich ein Bild über sie machen. Wichtig ist dabei, zu unterscheiden, was man wirklich weiss, und was – im Volksmund als «Kaffeesatzlesen» bezeichnet – lediglich vermutet wird.

Wenn man so Geld verdienen könnte, wie es die letzten 20 Jahre funktioniert hat, wären die reichsten Leute alle Bibliothekare. – Warren Buffett

In der heutigen Finanz- und Medienwelt werden Vermutungen mit einer Überzeugung und Selbstverständlichkeit dargeboten, dass man als Leser das Gefühl bekommen könnte, die Schreibenden wüssten tatsächlich, was uns alle erwartet. Nach all meinen Jahren in der Vermögensverwaltungsbranche bin ich primär eines geworden: Demütig. In den letzten Jahren habe ich mich gefragt, warum die Adressaten des «Finfotainment», also des «Financial Infotainment», nicht kritischer sind geworden sind. Schliesslich wissen sowohl wir, als auch unsere Kunden aus ihrer eigenen Tätigkeit, dass Prognosen für soziale, vom Menschen bestimmten Systemen wie der Wirtschaft im Allgemeinen oder dem Finanzmarkt im Speziellen eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit sind. Als Vermögensverwalter sollte man sich dessen bewusst sein. Trotzdem muss man sich eine Meinung über die Zukunft zu machen, damit die Ziele der Kunden erreicht werden können. Bei unserer Arbeit stützen wir uns auf eine Vielzahl von Indikatoren ab, welche aus unserer Sicht das Verhalten des Marktes bis zu einem bestimmten Grad einschätzen lässt. Wir errechnen keine Zahlen auf die zweite Kommastelle, wir machen keine Punktprognosen für Währungen oder Aktienindices. Aber wir tun unsere Arbeit mit einem wachen Auge, eine gesunden Portion Skepsis und einer Erdung, welche uns zur Überzeugung führt, dass beispielsweise die «Bäume nicht in den Himmel wachsen».  Die meisten Entwicklungen kehren immer wieder zu ihrem langfristigen Trend zurück – beispielsweise Verhältnisquoten der Realwirtschaft zum Aktienmarkt.

Das zähe Überleben von überzeugt kommunizierten Zukunftsprognosen hängt aus meiner Sicht primär damit zusammen, dass die Investoren gewissen Neigungen unterliegen, welche man in der Verhaltensökonomie als «Biases», also Veranlagungen oder Verzerrungen bezeichnet. Biases sind natürliche menschliche Verhaltenszüge. Die Prognostiker unterliegen dabei der klassischen Selbstüberschätzung («overconfidence») und der Fähigkeits-Illusion. Untersuchungen haben ergeben, dass die meisten professionellen Prognostiker tatsächlich glauben, dass sie die Zukunft voraussagen können. Und dies sogar noch überdurchschnittlich gut. Bekannt ist auch, dass die Prognosen in der Regel wertlos sind. Besonders selbstsichere Prognostiker sind dabei ironischerweise auch noch besonders schlecht. Nichtsdestotrotz will das Publikum Prognosen. Prognosen bedienen andere Biases auf Seiten der Adressaten. So fühlen wir uns beispielsweise besser, wenn wir Begründungen für Dinge haben oder konkrete Aussagen, an welchen wir uns orientieren und mental halten können (sogenanntes «Framing» oder «Anchoring»).

Gibt es nun aber wirklich keine guten Prognostiker? Doch. Die gibt es. Der umtriebige kanadische Psychologe und Wirtschaftswissenschaftler Phil Tetlock hat aufgrund einer Vielzahl von Studien eruiert, was sogenannte «Super-Prognostiker» ausmacht. Es sind in erster Linie auch Charaktereigenschaften. Gute Prognostiker beschäftigen sich nur mit Fragen in ihrem Fachgebiet («Circle of competence»), sie suchen immer nach schlagenden Gegenargumenten für ihr Thesen; gute Prognostiker zweifeln an ihren Annahmen, sie ändern ihre Meinung, wenn neue Fakten dies nötig machen, sie analysieren ihre Fehler, sie arbeiten im Team und sie sind demütig – wissen also um die Grenzen ihrer Fähigkeiten. Ob wir jeweils zu «Super-Prognostikern» werden, wissen wir – naheliegenderweise! – nicht. Aber es ist unsere Ambition, gute Prognostiker zu sein. Tetlock hat nämlich auch herausgefunden, dass der Unterschied zwischen normalen und guten Prognostikern gross ist. Der Schritt zum Super-Prognostiker aber sehr klein.