Fortschrittsagentur für Finanz & Wirtschaft.
 

Fortschrittliche Finanz und Wirtschaft
The Blue Finance ist die erste Beratungs- und Projekt-Agentur für blaue Finanz und Wirtschaft. Blau steht für  

  • Aufgeklärtes Denken
  • Verantwortungsbewusstsein 
  • Zukunftsorientierung

Wir sind Ihr Partner für praxisorientierte, durch unkonventionelles Denken geprägte Impulse. Die Evolution, die Weiterentwicklung von Institutionen ist unsere Passion. Ob als Beratungsagentur für Fortschrittsprojekte, Denk-Labor für Innovationen oder Inkubator für neue Ein- und Aussichten — die Aspiration für unsere Arbeit ist stets dieselbe: Solide wie ein Felsen, klar und frisch wie Bergquellwasser.

Mit Leidenschaft und Systematik erzeugen wir neue Strategien. Das Abweichen vom «Mainstream» und die Weiterentwicklung von Bestehendem ist für The Blue Finance — in Analogie zur Jazz-Musik — die Quelle von Innovation und Inspiration. Kurz: «Lateral thinking».


«lateral thinking»: a way of solving a problem by thinking about it in a different and origial way and not using traditional or expected methods (Cambridge Dictionary)

Partnernetzwerk für höchste Anforderungen
Bei der Erbringung ihrer Dienstleistungen greift The Blue Finance auf ein Netzwerk an Partnern zurück, welche den hohen ethischen, fachlichen und persönlichen Anforderungen der Firma standhalten. 

Kompromisslose Unabhängigkeit und Integrität sind die obersten Maximen von The Blue Finance. Wir arbeiten im besten Interesse unserer Kunden und werden ausschliesslich durch diese bezahlt.

Blog

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30.10.2020

The Blue Note Oktober 2020: Next Generation Finance

Verschiedene Angebotstrends prägen in den vergangenen Jahren die globale Bankenlandschaft. Nachdem Banken lange Zeit nicht durch eine bemerkenswerte Innovation aufgefallen sind, weil sie mit sich selbst und der Umsetzung von regulatorischen Vorgaben beschäftigt waren, hat das in den letzten 5 Jahren geändert. Die Finanzkrise hat – etwas verzögert – sowohl in der Finanzbranche, als auch bei der Kundschaft verschiedene Denk- und Handlungsprozesse ausgelöst, welche aufzeigen, in welche Richtung das Thema «Personal Finance» gehen kann. Im Folgenden wird ein Blick in die Zukunft gewagt.

Technologie

Die Kunden von morgen verfügen momentan vielleicht noch nicht über die grossen Vermögen, um für die Vermögensverwaltungs-Abteilungen («Wealth Management») interessant zu sein. Es ist aber eine Frage der Zeit, bis grössere Vermögen an eine Generation vererbt wird, welche technikaffin ist. Diese Generation ist es sich gewohnt, die Welt in der Hosentasche respektive dem Smartphone zu haben. Das ist keine neue Erkenntnis. Die Erkenntnis ist mehr, dass der Zugang zum Banking ein anderer sein wird. Der Erfolg der Ökosysteme von Apple und Google beruht darauf, dass man mit einem single-sign-on, also mit einem einzigen Passwort in seine eigene digitale Welt in der Cloud eintauchen kann: Ein Eingang, die ganze Welt.

Heutzutage sind die Konsumenten noch geduldig und bereit, ihre finanziellen Angelegenheiten bei verschieden, technisch separat operierenden Anbietern am Laufen zu haben. Next Generation Finance bedeutet nun, dass es den Finanzdienstleistern gelingen muss, den Kunden ein integriertes Ökosystem für ihre Finanzen anzubieten. Man kann es den «Europapark der Finanzen» nennen. Man bezahlt einmal Eintritt und begibt sich in ein System, in welchem man nach Lust und Laune seine Informationen beschaffen und Transaktionen tätigen kann, ohne ständig wieder Eintritt bezahlen oder sich einloggen zu müssen. Es gibt keine Medienbrüche, da die Benutzeroberfläche ein integriertes Medium darstellt. Die verschiedenen Angebote sind zudem aufeinander abgestimmt. Die Säule 3a- oder Hypotheken-Systeme beispielsweise sind miteinander vernetzt und merken, wenn der Kunde oder die Kundin noch Handlungsbedarf hat. Ein entsprechendes Benachrichtigungssystem macht einen darauf aufmerksam. Summa summarum: Die Banken müssen versuchen, die Kunden in ihr Ökosystem, auf ihre Plattform zu lotsen. Wer das einfach zu bedienende, mitdenkende Ökosystem anbietet, hat in Zukunft gute Karten, Marktanteile zu gewinnen. Die Bereitschaft vieler Technologieanbieter und Banken, in ein «Open Source»-Regime zu wechseln, wird diese Entwicklung erfreulicherweise begünstigen. Hinter den Kulissen ist eine verstärkte Kooperation gefragt, damit der «Finanzpark» für Kunden möglich wird.

Marken

Vor der Kulisse muss versucht werden, seine Marke so zu positionieren, dass man von den jüngeren, künftigen Kunden als verlässliche, moderne Finanzpartnerin wahrgenommen wird. Finanzdienstleister müssen nicht mehr nur Dienstleistungen auf eine zuverlässige und preislich attraktive Weise erbringen. Sie müssen für die Kundschaft der Zukunft klare Werte vermitteln. Das haben sie in der Vergangenheit auch schon versucht. Der entscheidende Punkt hierbei ist aber die Glaubwürdigkeit. Wenn eine Firma die in Werbebroschüren dargestellten Werte nicht in der DNA trägt, sind diese in unserer ubiquitären, omnipräsenten Welt, in welcher alles und jenes jederzeit per Sprachbefehl auf dem Smartphone abrufbar ist, nicht glaubwürdig. «Walk the talk» lautet das Motto. So abgedroschen es klingen mag: Werte müssen vorgelebt werden, um geglaubt zu werden. Dafür braucht es keine Tochterfirmen mit einer hippen Positionierung und trendigen Namen. Es reicht, wenn sich die gestandene Muttergesellschaft ernsthaft so verhält, wie sie sich geben will. Die langjährigen Kunden werden sich deshalb nicht vom Institut abwenden, aber man öffnet der kommenden Generation von vermögenden Kunden jetzt schon die Tür.

Meinungen

Die gleiche, zukünftige Wealth Management-Generation ist nicht nur technikaffin, sie hat auch pronocierte Meinungen zu wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Themen. Nur weil die Kunden mit dem Kapuzenpulli durch die Strasse laufen, bedeutet das nicht, dass sie sich nicht für Finanzen interessieren. Ganz im Gegenteil. Ein Ausfluss der Corona-Krise ist, dass sich die jüngeren Generationen – endlich, und aufgeschreckt durch nicht allzu rosige Szenarien – mit ihrer eigenen finanziellen Zukunft und dem Thema Vorsorge zu beschäftigen beginnen.

Bekanntermassen ist das Thema der Nachhaltigkeit unter dem Akronym «ESG» im Angebot der Schweizer Finanzdienstleister angekommen. Mit der Ausrichtung des Serviceangebotes auf diese Entwicklung ist es aber noch nicht gemacht. Die Kunden sind im Vergleich zu früher besser informiert und fordern damit die Kundenberater stärker heraus. Die Finanzbranche ist mit starken Meinungen konfrontiert. Damit muss sie umgehen können. Ob dies allen Repräsentanten von Finanzinstituten behagt, ist zu bezweifeln, denn die Entwicklung wird noch weiter gehen.

Ein Beispiel: Börsenkotierte Firmen müssen sich darauf vorbereiten, dass private Aktionäre in Zukunft zur Wahrnehmung ihres Stimmrechts mithilfe von «Proxy Tech» stärker durch das Wertschriftendepot bei ihrem Finanzinstitut «hindurchgreifen», um ihre Meinung zum Ausdruck zu bringen. In der Politik ist diese Entwicklung angekommen. In der Aktionärsdemokratie noch nicht. Es würde nicht überraschen, wenn dereinst «Proxy Tech» ermöglicht, dass sich Aktionäre in Zukunft besser gruppieren, artikulieren und entsprechend auch einen «Impact», also eine Wirkung erzielen wollen und können. Stimmrechtsberater werden von Proxy-Tech-Plattformen Konkurrenz erhalten.

Die nächste Generation von Kunden ruft also nach der nächsten Generation von Finanz-dienstleistungen. Gut beraten ist, wer davor nicht die Augen verschliesst und jetzt agiert – und sich damit differenziert.

 

AG – 30. Oktober 2020

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19.08.2020

The Blue Note August 2020: Kryptisch

Die Corona-Krise zieht sich hin und das Geld sucht sich seinen Weg hin zu eher unorthodoxen Ertragsquellen. Letzthin wurde mir die Frage gestellt: "Welche Renditeerwartung soll man für Krypto-Währungen haben?" Sie signalisiert, dass das Thema Kryptowährungen in den finanziellen Angelegenheiten von Herrn und Frau Schweizer angekommen ist. Dem Vernehmen nach investieren auch immer mehr Institutionelle Investoren in Kryptowährungen. Vor dem Hintergrund des hemmungslosen Gelddruckens der globalen Notenbanken scheint es mir eine gute Idee, sich einmal etwas vertieft mit dem Thema auseinander zu setzen, denn kryptisch ist vieles, was geschrieben und gesagt wird.

Beim Thema Krypowährungen muss man zwischen der Technologie und den Anwendungen unterscheiden.

Technologie

Mit dem immer weiter verbreiteten Einsatz von Informationstechnologie wird unser Leben zwar einerseits oberflächlich einfacher, aber auch viel verletzlicher wird. Wenn wir unser halbes Leben in den digitalen Raum auslagern, müssen wir überproportional mehr Ressourcen in die Sicherheit und Sicherung unserer Daten investieren. Irgendwann kommt der Punkt, an welchem der zusätzliche Nutzen durch IT die Sicherheits- und anderweitigen Kosten nicht mehr aufwiegt. Der zusätzliche Nutzen von IT nimmt ab (dies ist meine These von «Peak IT»). Damit der Nutzen nicht abnimmt, muss die Sicherheit im virtuellen Raum gesichert werden. Hier kommt unter anderem die Kryptotechnologie ins Spiel. Sie hilft insbesondere beim Transfer und der Lagerung von Daten im digitalen Raum. Es steht ausser Zweifel, dass wir es – im wahrsten Sinne des Wortes – mit einer Schlüsseltechnologie zu tun haben. Und: Verschlüsselungs- respektive Krypto-Technologie wird also inskünftig weiter an Gewicht gewinnen.

Anwendungen

Für Kryptotechnologie gibt es viele zivile Anwendungen, welche durchaus sinnvoll sind und einen Mehrwert bieten oder noch bieten werden. So kann beispielsweise mit neuen Verschlüsselungstechnologien die elektronische Handhabung von Verträgen massiv vereinfacht werden. Insbesondere im Finanzbereich erleichtert und beschleunigt dies verschiedenste Prozesse. Als aufgeschlossener, aber kritischer Geist freue ich mich auf die kommenden Jahre, welche durch vereinfachte, dezentrale Verschlüsselung viele Innovationen und Erleichterungen für die Anwender bringen werden. Die «Fintech»-Branche wird in diesem anwendungsorientierten Bereich wohl viele der Vorschusslorbeeren rechtfertigen. Summa summarum sehe ich die Anwendungen grossmehrheitlich positiv.

Warum neue Währungen?

Kryptowährungen sind auf Basis von Verschlüsselungstechnologien geschaffene Parallelwährungen. Währungen sind Entitäten, mit welchen Vermögen aufbewahrt oder getauscht werden kann. Sie haben dieselbe Funktion wie klassische Währungen (auch FIAT-Währungen genannt; mit gleichnamiger Automarke jedoch nicht verbunden), sind aber «privat» kreiert. In der Schweiz kennen wir seit längerem die Parallelwährung WIR, welche insbesondere in Gewerbekreisen beliebt war (ob das immer noch so ist, entzieht sich meiner Kenntnis). Ein Leben ohne Währungen würde uns in die Tauschwirtschaft zurückwerfen. Eine Vorstellung, welche uns an undenkbar erscheint. Jedoch als Klammerbemerkung: Wer weiss, vielleicht wird dies in Zukunft mit dem «Internet of Things» und sophistizierter Software (z.B. Kryptotechnologie) eine alternative Form des Warentausches werden. Aber zurück zum Thema.

Wenn neue Währungen geschaffen werden, muss man sich fragen, warum dies getan wird. Offenbar sind die Schöpfer von privaten Währungen mit den gängigen, öffentlichen Währungen nicht zufrieden. Wenn Innovationen überleben sollen, müssen sie entweder einen greifbaren Mehrwert bieten oder ein Problem beheben.  Betrachtet man sich Kryptowährungen, werden die gängigen Argumente wie die Sicherheit, die Knappheit oder das fehlende Vertrauen in die staatliche Geldpolitik ins Felde geführt.

Die Sicherheit ist nur bedingt ein Argument, da gemäss verschiedenen Medienberichten schon verschiedentlich «Wallets», also die Aufbewahrungsorte von Kryptowährungen «gehackt» und Vermögen entwendet wurde. Im klassischen Geldsystem hört man selten bis nie, dass einfach so Geld abgebucht worden ist.

Die Knappheit hingegen ist ein Argument, das in Betracht gezogen werden kann und gegen klassische Währungen «sticht». Klassische Währungen werden als sogenannte Fiat-Währungen bezeichnet. Sie werden im ordentlichen Geldschöpfungsprozess durch die Notenbanken kreiert und administriert. Seit der Aufhebung des Goldstandards der USA im Jahre 1971 und der damit zusammenhängenden Golddeckungen der Währungen können Fiat-Währungen beliebig geschöpft werden. Nachdem es in den 1970er-Jahren zuerst zu einer galoppierenden Inflation gekommen ist, welche nur durch ein hartes Durchgreifen des damaligen Notenbank-Präsidenten der USA, der von mir sehr geschätzte Paul Volcker, gezähmt werden konnte, herrscht seit den 1980-er-Jahren an der Inflationsfront relative Ruhe. Da seit Anfang der 2000-er-Jahre sich die Notenbanken rund um den Globus (mit Ausnahme der Schweiz) bemüssigt fühlen, nicht nur die Geldpolitik, sondern auch das Geschehen an den Finanzmärkten – sprich: der Börse zu kontrollieren, schöpfen diese seither durch eine völlig aus den Fugen geratenen Geldpolitik bei jeder kleineren oder grösseren Störung neues Geld, welches in relativ guten Zeiten nicht mehr abgeschöpft wird. Damit einher geht auch das fehlende Vertrauen der Verfechter von Kryptowährungen in die Geldpolitik.

Fassen wir zusammen: Das Vertrauen in die Geldpolitik ist zurecht gestört. Kryptowährungen sind zwar ein knappes Gut, welches aber nicht so sicher ist, wie oft proklamiert.

Der goldene Weg

Sind Kryptowährungen nun die Lösung der entgleisten Geldpolitik? Sie sind wohl Teil davon. Es gibt Güter, die knapp und gleichzeitig noch – unabhängig davon, ob das Stromnetz funktioniert, oder nicht – physisch beständig sind. Der Klassiker ist sicher «die ultimative Währung» Gold. The Blue Finance proklamiert seit einiger Zeit Gold als «die Währung» und Versicherung für noch aussergewöhnlichere Zeiten. Wie auch immer sie aussehen mögen. Gold wird vorgeworfen, dass es keinen Ertrag abwirft. Mittlerweile ist es so, dass im Bereich der Zahlungsmittel nicht mehr nur Gold und Kryptos keinen Ertrag abwerfen, auch Zinsen auf klassischen Währungen scheinen ein Relikt aus früherer Zeit. Eine Wertberechnung von «Wert» mittels der Diskontierung von Cash Flows ist deshalb nicht möglich. Die Eignung als Wertmittel und damit die Werthaltigkeit steht und fällt deshalb mehr denn je mit der Stabilität und Glaubwürdigkeit der Quelle respektive des Emittenten.

Wenn Güter keinen Ertrag abwerfen, werden sie zu Mitteln der Spekulation, da sie gemäss der «Greater Fool Theory» nur gehalten werden, um sie später einem «noch grösseren Idioten» weiter zu verkaufen. Betrachtet man sich die Herkunft und Stabilität der Währungen, so ist Gold klar im Vorteil. Es ist ein Naturprodukt, fälschungssicher und rar. Platz zwei geht an Kryptowährungen. Sie werden zwar synthetisch von Algorithmen geschöpft, aber sie – scheinen – relativ rar zu sein. Platz drei der Werthaltigkeit geht an die klassischen Währungen. Sie sind nicht mehr rar. Spätestens seit der Corona-Krise sind die Notenbanken ausser Rand und Band. Sie produzieren hemmungslos Geld. Der Wert des Geldes sinkt deshalb im selben Mass, da die gegenüberstehende Gütermenge ungefähr gleich bleibt.

Befassen wir uns mit der Zukunft

Mein Fazit: Die Eignung von analogen oder digitalen Gütern als Währung steht und fällt mit der Beschaffenheit und Glaubwürdigkeit der Quelle. Ich überlasse es dem Leser, ob er die Glaubwürdigkeit eines Staates oder eines Algorithmus’ als höher einstuft. Also naturverbundener Mensch ist mein Vertrauen zurzeit in Mutter Natur und ihre mystische Frucht «Gold» am grössten. Praktische Gründe wie die Liquidität und Übertragbarkeit eines als Währung verwendeten Gutes sprechen aus meiner Sicht aber für einen guten Mix. Die Investition in Kryptowährungen verbunden mit der Auseinandersetzung mit der zugrundeliegenden Technologie ist aus meiner Sicht durchaus reizvoll, ja höchst inspirierend. Unsere Welt durchlebt gerade Zeiten des – durch Covid-19 beschleunigten – Umbruchs. Es ist nicht als vernünftig, sich deshalb intensiv mit der Zukunft und dem Fortschritt zu beschäftigen. Die Kryptotechnologie spielt dabei eine Rolle. Welche, wird sich zeigen. Betrachtet man sich die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung, würde es mich nicht überraschen, wenn es eine wichtige sein wird.

Zurück zur Ausgangsfrage nach dem Ertrag der Kryptowährungen. Meine Antwort: Wenn man sie tatsächlich als Währungen anschaut, dann würde ich als konservativer «best guess» die USD-EUR-GBP-Vergangenheit in die Zukunft extrapolieren und mit 0% Rendite gegenüber dem Schweizer Franken rechnen. Falls Sie damit nicht zufrieden sein sollten, nehmen Sie Folgendes mit auf Ihren Investment-Weg: Währungen sollten als synthetisches, «totes» Konstrukt nicht Quelle von Rendite sein. Unsere Wirtschaft, das unternehmerische tägliche Eingehen von Risiken und das Schöpfen von Wert ist es. Stellen Sie Ihr Geld dafür als Aktionär zur Verfügung und betrachten Sie Währungen als das, was sie sind: Wertaufbewahrungs- und Tauschmittel.

AG – 19. August 2020

 

 

 

 

 

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08.06.2020

The Blue Note Juni 2020: Mother of all Moral Hazard

Politik und Gesellschaft haben in den letzten 50 Jahren mit einer Kombination aus Kontroll-Illusion und dem «Ideal der komfortablen Stallfütterung» (Wilhelm Röpke) die systemische «Mutter aller Moral Hazard-Situationen» geschaffen. In einem übersteigerten Machbarkeitsglauben fühlten sich staatliche Institutionen dazu bemüssigt, durch prozyklische Fiskalpolitik oder experimentelle Geldpolitik sämtliche Unbill von den Bürgern fernzuhalten. Das unnötige Aufrechterhalten der staatlichen Markteingriffe hat als «Moral Hazard trade» starke Fehlanreize und damit auch zu einer Vermögenspreisinflation geführt. Die Folge war schon vor dem Ausbruch der Corona-Krise ein fragiles Wirtschaftssystem, in welchem Gewinne privatisiert und Verluste dem Gemeinwesen aufgebürdet werden.

In der grassierenden Corona-Krise hat der Staat bislang auch als Versicherer agiert. Das ist grundsätzlich zu befürworten, weil es vernünftig ist, die Wirtschaft als Basis des Gemeinwesens nach einem staatlich auferlegten «Druckabfall» soweit wie möglich am Leben zu erhalten.

In der Ökonomie gibt es das Prinzip des Moral Hazard. Es kommt ursprünglich aus der Versicherungsbranche und beschreibt das Phänomen, dass Individuen sich nach Abschluss einer Versicherung riskanter verhalten, weil sie für den Schaden nur begrenzt einstehen müssen. Das Problem und die Fehlanreize akzentuieren sich noch, wenn vom Staat natürliche oder juristische Personen gerettet («bail out») werden, ohne dass diese eine Versicherungsprämie bezahlt oder selber vorgesorgt haben. Ein solches System ist nicht nachhaltig und sozial amoralisch.

Mit der Corona-Krise kommt die Chance auf ein Revival der bürgerlichen Tugenden. Der Politik fällt die wichtige Aufgabe zu, den Bürgern aufzuzeigen, dass Werte wie Eigenverantwortung, Unternehmertum, Subsidiarität, Gemeinsinn und gesunde Staatsfinanzen eine Gesellschaft stark und widerstandsfähig machen. Das Funktionieren der öffentlichen Institutionen ist kein Naturgesetz, weshalb es umso wichtiger ist, dass eine Gesellschaft kleinteilig und selbstorganisiert ausgestaltet ist. Die Stärkung der bürgerlichen Tugenden führt auch zu einer Stärkung des marktwirtschaftlichen Systems, welches im Stande ist, Krisen zu bewältigen.

In modernen Gesellschaften müssen die Rollen beim Streben nach Glück klar verteilt sein. Je weiter oben sich die Bedürfnisse der Individuen auf der Maslow-Pyramide in Richtung «Selbstverwirklichung» bewegen, desto weniger sind sie ein Problem des Gemeinwesens. Zudem dürfen systemische Probleme durch die öffentliche Hand nicht einfach von Krise zu Krise mit noch mehr Schulden in die Zukunft verschoben werden. Moral Hazard muss mit Moral Chance ersetzt werden! Das magische Wort hierbei lautet: Verantwortung. Alle Wirtschafssubjekte müssen für ihr Handeln und ihre Existenz wieder mehr Verantwortung übernehmen und der Staat muss sich als Versicherer auf die demokratisch legitimierten Funktionen zurückziehen (z.B. Arbeitslosenversicherung, Sozialversicherungen). Private halten sich an bewährte Rezepte wie die individuelle Vorsorge nach dem Prinzip «Spare in der Zeit, so hast du in der Not» oder den Abschluss von individuellen Versicherungen.

Es wäre an der Zeit, das Verhältnis zwischen Bürger und Staat muss mit dem Ziel von widerstandsfähigeren Strukturen in einem positiven Diskurs zu klären. Gelingt dies, haben wir eine enorme «Moral Chance.» Falls nicht, droht unsere Gesellschaft vom systemischen Moral Hazard zerfressen zu werden.