Thesenpapiere

"If we become increasingly humble about how little we know, we may be more eager to search."

Sir John Templeton

 

Kritische Auseinandersetzung mit der Finanzwirtschaft
The Blue Lab als Think Space ist das Resultat der kritischen Auseinandersetzung des Gründers von The Blue Finance, Arno Grüter, mit der Finanzwirtschaft. Die Finanzmärkte sind von Menschen geschaffene soziale Strukturen. Aus diesem Grund sind sie jederzeit verbesserbar.

Die Finanzwirtschaft als umfassender Kosmos wird im Rahmen im Think Space in verschiedene Module aufgeteilt. Pro Modul werden verschiedene Thesen aufgestellt und in Thesenpapieren (The Blue Papers) behandelt. Diese werden fortlaufend publiziert und sollen als Denk- und Diskurs-Anstoss dienen. Work in progress...

Jedes Modul des Finanzkosmos' hat dieselbe Struktur. Am Anfang stehen verschiedene Thesen zum entsprechenden Modul. Diese Thesen werden im Rahmen eines Diskurses analysiert. Aus dem Diskurs werden schliesslich Sythesen, also verbindende Schlüsse für eine fortschrittliche Finanzwirtschaft abgeleitet.

 

 

Module und Thesen
Die Module sowie die dazugehörigen Thesen und Synthesen finden Sie bereits hier.

Am Anfang der philosophischen Auseinandersetzung steht die Frage nach dem Sinn und Zweck der Tätigkeit.

Thesen

  1. Finanzwirtschaft ist kein Selbstzweck. Sie hat sich über die Zeit von ihrer Kernfunktion als wichtige, zudienende Basis der Realwirtschaft entfernt.
  2. Die Annahme, dass die Finanzwirtschaft auf naturwissenschaftlichen Gesetzen basiert hat zu Fehlentwicklungen geführt. Spekulation hat unternehmerisches Denken immer mehr verdrängt, was das Finanzsystem fragil hat werden lassen.
  3. Die Finanzwirtschaft braucht in neues Selbstverständnis. Sie muss sich fragen, was der Sinn und das Ziel ihrer Tätigkeit ist.

Synthese
Die Wirtschaft – und die Finanzmärkte als Teil davon – sind ein Prognose- und Wertschöpfung-Prozess. Wir alle müssen tagtäglich Prognosen über die Zukunft treffen. Insbesondere aber an den Anlagemärkten sind Prognosen das grundlegende Fundament, die Basis von allem. In der Vermögensbewirtschaftung werden menschliche Bedürfnisse über die Wirschaft, den Finanzmarkt und den Anlageprozess in Rendite umgewandelt. Das Verständnis über das Verhalten des Menschen ist deshalb deshalb essenziell. Disziplinen wie Psychologie und Soziologie, und nicht primär die Mathematik, sind dabei zentral.

Die Wirkungskette in der Vermögensbewirtschaftung

Die Wissenschaft hat massgeblich zur Wissens- und Fähigkeitsillusion der Finanzbranche beigetragen.

Thesen

  • Der Mensch ist nicht das rationale Wesen, wie ihn die Wissenschaft darstellt.
  • Er ist ein biologisches Wesen, welches in einem sozialen System und fast unendlich vielen Einflüssen ausgesetzt sein Überleben sichern und seine Bedürfnisse befriedigen will.
  • Sein Verhalten vorauszusagen, ist deshalb fast unmöglich.
  • Die Finanzwirtschaft muss sich vergegenwärtigen, dass sie einer Wissens-Illusion unterliegt, wenn sie Prognosen macht.
  • Wir wissen viel weniger, als wir (dafür aber) glauben.
  • Sie muss lernen, mit dieser Unwissenheit umzugehen und Denkmodelle entwickeln, um in diesem Umfeld die bestmöglichen Entscheidungen treffen zu können.
  • Dabei helfen philosophische Fragestellungen.
  • Ökonomie und Finanzwirtschaft müssen besser kommunizieren, was ihre Aufgaben, Fähigkeiten und Grenzen sind.

Synthese

  • Gute Finanzwirtschaft setzt sich intensiv mit dem Menschen und seinem Verhalten als Individuum oder in der Gruppe auseinander.
  • Es gibt nicht das richtige Modell.
  • Modelle sind Werkzeuge für die Navigation aus der Vergangenheit über die Gegenwart in die Zukunft.
  • Wir müssen kontext-abhängig, flexibel und multidisziplinär mit verschiedenen Denkmodellen arbeiten.
  • Dabei müssen sowohl die Modelle selber, als auch das Wissen um deren Einsatz ständig weiterentwickelt werden. 

Thesen

  • Die Finanzwissenschaft hat sich seit den 1970-er-Jahren von der Realität entfernt und ein stark mathematisch geprägtes Eigenleben kultiviert.
  • Viele nach wie vor populäre und gelehrte Modelle sind bestensfalls von zweifelhaftem Nutzen, weil sie unrealistische Annahmen treffen. 
  • Die Finanzwissenschaft muss akzeptieren, dass sie Teil der Sozialwissenschaften und damit keine exakte Wissenschaft (wie Mathematik oder Physik) ist.

Synthese

  • Der Massstab der Wissenschaft muss sein, wie der Mensch ist, nicht wie er sein sollte.
  • Modell dienen zur Erklärung der Realität, sie sind aber nicht die Realität.
  • Gute Wissenschaft liefert nicht nur Modelle, sie zeigt auch, wann in der Praxis welches Modell angebracht ist.
  • Gute Finanzwissenschaft zeigt Anhaltspunkte und Lösungen für reale Herausforderungen auf. Sie insbesondere in Zeiten der Unsicherheit eine für die Gesellschaft sehr wichtige Funktion.

Rendite ist neben dem Risiko eine der beiden "unsichtbaren Kräfte" an den Finanzmärkten. Wer eine überdurchschnittliche Rendite erwirtschaften will, muss 1. ein besseres Gefühl über die Zukunft entwickeln und sich 2. entsprechend auch richtig positionieren.

Thesen

  • Viele Marktteilnehmer haben an den Finanzmärkten ein falsches Verständnis über das Zustandekommen von Rendite.
  • Es wird viel von der Vergangenheit in die Zukunft extrapoliert, was zu falschen Erwartungen führt und Wissen vortäuscht.
  • Eine philosophische Auseinandersetzung mit den Quellen von "Rendite" führt zu einem demütigeren Ansatz.

Synthese

  • Die Erwirtschaftung von Rendite läuft über den im Modul "Sinn" beschriebenen Mechanismus, welcher zukünftige Bedürfnisse von Individuen oder Gruppen antizipiert.
  • Es gibt keinen "heiligen Gral" des Investierens. Die Finanzbranche ist zwar fortwährend auf der Suche danach, aber das Umfeld ist zu komplex, als dass eine Methode den sicheren Gewinn versprechen würde. 
  • Ziel der Investoren muss es sein, möglichst keine Fehler zu machen und das wenige Wissen, welches wir haben, möglichst optimal zu nutzen.
  • Dabei sollte systematisch und interdisziplinär vorgegangen werden.

Risiko ist die zweite "Kraft" an den Märkten. Weil es ein schwer fassbares und meist auch subjektives Phänomen ist, wird über Risiko sehr viel geschrieben, ja bisweilen sogar philosophiert. Wenn es einen Bereich der Finanzwirtschaft gibt, welcher annähernd philosophisch betrachtet wird, ist es das Risiko. 

Thesen

  • Wir verwenden ein falsches Risiko-Konzept. Risiko ist in den gängigen Modellen nicht korrekt oder falsch berücksichtigt.
  • Viele Investoren setzen sich zu wenig mit der Frage auseinander, was Risiko für sie wirklich bedeutet und wie mit diesem Risiko umgegangen werden soll.
  • Eine rein quantitative Herangehensweise beim vermeintlichen Management von Risiko führt zu einer falschen Sicherheit und einer (weiteren) Wissensillusion.
  • Risiko ist in der Zukunft und kann deshalb nicht gemessen werden. Es kann deshalb auch nicht «gemanagt» werden.
  • Die letzte wirkliche Innvation zum Thema Risiko stammt aus dem Jahr 1921.

Synthese

  • Risiko ist grundsätzlich die Möglichkeit, dass die Ziele einer Tätigkeit nicht erreicht werden.
  • Bekannte Risiken können eruiert und beobachtet werden. Man kann entsprechend versuchen, sie abzuwenden.
  • Leider aber werden Risiken zu dem was sie sind, weil sie nicht bekannt sind und deshalb auch nicht guten Gewissens "gemanagt" werden können.
  • Die selbe weltoffene, multidisziplinäre Haltung, welche für das Erzielen von Rendite und damit das Machen von Prognosen an den Tag gelegt werden sollte, muss auch für den Umgang mit Risiken gezeigt werden. Risiko und Rendite sind zwei Seiten der selben Medaille.

Technologie ist ein Hilfsmittel, ein Tool für die fortschrittliche Finanzwirtschaft.

Thesen, Diskurs und Synthese folgen.

Nachhaltiges Anlegen (auch bekannt unter dem Akronym "ESG", Environmental, Social, Governance) hat in den vergangenen Jahren enorm an Popularität gewonnen. Das ist aus Sicht von The Blue erfreulich, denn wer die Grundlage des Wirtschaftens bewahrt, bewahrt so über die Zeit auch die Grundlage von Performance.

Thesen

  • Das Thema "Nachhaltiges Investieren" hat in einer ersten Phase das Gewissen von vielen Investoren beruhigt.
  • In einer zweiten Phase hat es in der Vermögensbewirtschaftungsbranche zu höheren Margen geführt.
  • Nun ist die Zeit des "Honeymoon" (also der Euphorie um das Thema) langsam am abklingen und die kritischen Fragen der Realität werden gestellt.
  • Das ist gut so, denn wirksames nachhaltiges Investieren ist einerseits gut für unsere Umwelt, die Gesellschaft und die Wirtschaft, andererseits erhöhte es das Interesse und die Akezeptanz für das Thema Investieren und Vorsorgen.

Synthesen

  • Die ESG-Branche muss jetzt ihren Kunden "reinen Wein" einschenken und ihren Kunden klar aufzeigen, was ESG-Investments können, und was nicht.
  • Kritik soll die Branche wohlwollend aufnehmen und sie in ihrer Arbeit berücksichtigen, denn es wäre schade, wenn dieses wichtige Thema an Akzeptanz verliert, weil gebrannte Kinder, sprich: Kunden sich davon abwenden, weil sie glauben, der nächsten Marketing-Idee auf den Leim gekrochen zu sein.

Die Politik gibt die Rahmenbedingungen für die Finanzwirtschaft vor. 

Politik und Finanzwirtschaft haben sich in den letzten Jahrzehnten auseinander bewegt. Es braucht beidseits ein grösseres Verständnis.

Thesen, Diskurs und Synthesen folgen.

Die Finanzwirtschaft habe es verpasst, in den letzten Jahren die Gesellschaft mit auf Ihren Weg zu nehmen. Auch hier ist eine zunehmenden Distanzierung die Folge.

Die Finanzwirtschaft muss nahbarer werden. 

Thesen, Diskurs und Synthesen folgen.