It's the Asset Price Inflation, stupid!

It's the Asset Price Inflation, stupid!

Inflation wird seit jeher mittels eines Warenkorbs an Gütern und Dienstleistungen gemessen, welche wir konsumieren. In der Schweiz ist dafür die Basis der «Landesindex der Konsumentenpreise». Und hier liegt der springende Punkt. Die Inflation misst nur die Konsumentenpreise, nicht Preise generell. Diese Messmethode impliziert, dass nur Konsumpreis-Inflation ein Problem darstellt. Hier bin ich aber mittlerweile anderer Meinung.

Was die Geldschwemme der Notenbanken in den vergangenen 10 Jahren bewirkt hat, ist eine Vermögenspreisinflation (Asset Price Inflation). Eine Vermögenspreisinflation entsteht, wenn aufgrund einer lockeren Geldpolitik Vermögenspreise inflationsartig ansteigen. Ursächlich dafür kann beispielsweise ein künstlich tiefes Zinsniveau sein, welches den Immobilien oder Aktienmarkt aufgrund von Ausweich- oder Arbitrage-Bewegungen verzerrt. Wissenschaftlich ist dieses Phänomen leider sehr wenig erforscht, es ist aber genau das, was wir zurzeit unbestrittenermassen erleben.

Es kann argumentiert werden, dass Vermögenspreisinflation ja Wohlstand schafft. Das mag auf dem Papier sein. Wahrer Wohlstand wird aber nicht geschaffen, wenn Vermögenspreise unabhängig der Entwicklung der zugrundeliegenden Produktivitätsentwicklung einer Volkswirtschaft steigen. Es ist dann in den Vermögenspreisen genau so viel «heisse Luft», wie in den durch die Ausweitung der Geldmenge gestiegenen Preise für Konsumgüter.

Da wir im Nachgang zur Finanzkrise eine vom Ökonomen Richard Koo beschriebene Bilanzrezession erleben respektive erlebt haben, in welcher die Konsumenten höhere Einkommen nicht dafür verwenden, um mehr zu konsumieren, sondern um ihre Schulden zurückzuzahlen, ist der aus der Konjunkturpolitik bekannte Multiplikator nicht so stark angesprungen, wie sich die Notenbanken dies vielleicht erhofft hatten. Der Konsum stieg gemächlich, die Geldmenge – für einmal brauche ich dieses Adjektiv auch – extrem. Die von den Notenbanken für eine Normalisierung der Geldpolitik geforderte Konsumpreisinflation hat sich nicht eingestellt. Die Inflation hat sich nicht in den Konsumpreisen, sondern den Vermögenspreisen eingenistet. Wie es scheint, ohne dass es vom Publikum so wahrgenommen wird.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass wir zwar wenig – klassische – Konsumpreisinflation gesehen haben. Gefährliche – oder wie Tech-Aficionados sagen würden – disruptive Kräfte haben sich aber einerseits durch die viel zu tief gehaltenen Zinsniveaus in verschiedenen Bereichen, andererseits durch die aufgeblähten, nicht substanziierten Vermögenspreise entwickelt.

Wir sehen durchaus eine extreme Inflation – aber eben nicht in den Konsumpreisen, sondern den in Vermögenspreisen. Die enormen negativen Effekte, werden wir wohl erst in ein paar Jahren wirklich erkennen.

Kommentare

  • Urs vor 9 Monate

    Kompliment, Arno, für deine Homepage samt Informationen zu Gold, CHina und Konsumentenindex. Einwandfrei und verständlich.
    Bei einem Freitagswochenendtrunk im Plaza habe ich immer wieder über die Anschrift auf deinem Bully nachgedacht. Weder powerde by noch der neu gespritzte Bully hat bei mir gezündet. Erst Google hats geschafft.
    Noch eine Anmerkung. disruptive Kräfte und nichtsubstanziierte Vermögenspreise könnte vielleicht für einen Bauing FH verständlicher umschrieben werden. Ohne Google.
    Ein kühles Wochenende. Beste Grüsse aus der Badmatt, Urs

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