Aktiv vs. Passiv - Teil 1: Pro & Con

Aktiv vs. Passiv - Teil 1: Pro & Con

In den vergangenen Monaten war in verschiedenen Medien zu lesen, dass der «Siegeszug» des passiven Investierens etwas ins Stocken geraten sei. Tatsächlich scheinen sich die Wachstumsraten bei den Exchange Traded Funds (ETF; an der Börse gehandelte Index-Fonds mit der Rechtsstruktur von Aktien) und den klassischen Indexfonds etwas abgeschwächt zu haben. Aus unserer Sicht ist dies ein Zeichen, dass der Markt für indexiertes Anlegens langsam reif und – man kann sagen – erwachsen wird. Auch hier wachsen die Bäume nicht in den Himmel.

The Blue Finance setzt neben ausgewählten Direktanlagen sowohl aktive, als auch passive Fonds ein. Im Folgenden gehen wir darauf ein, wann der Einsatz von Indexfonds oder ETFs aus unserer Sicht angezeigt ist und wann durchaus auch wirklich aktive Fonds zum Zug kommen können.

Bei der Auseinandersetzung mit der Frage «aktiv vs. passiv» sollte sich der geneigte Investor sich als erstes einige anlagephilosophische Fragen stellen. The Blue Finance ist dezidiert der Meinung, dass es eigentlich ein «passives Investieren» nicht gibt. Der Weg zur Allokation von Vermögen mit einem konkreten Ziel ist gepflastert mit aktiven, bewussten Entscheiden.

Kaufe ich den Aktien-Weltindex in USD und lege ihn in Form eines Indexfonds ins Depot, oder soll es bei der Anlagetätigkeit dann doch etwas raffinierter zu und her gehen? Bevor in einem zweiten Teil auf die eher «handwerklichen» Überlegungen bei der Anlage in aktive oder passive Fonds eingegangen wird, werden im Folgenden Argumente für oder wider das Anlegen hin Index-Produkte dargelegt.

Argumente und Überlegungen dafür:
 

  • Preis | Wirklich passive Fonds sind in der Regel günstiger, als aktiv verwaltete Fonds, weil von Seiten der Managements keine Kosten für Titel- oder Makro-Research entstehen.
  • Handling | ETFs und Indexfonds sind einfach in der Handhabung. Mit einer Transaktion kauft der Investor sind ein «Exposure» zu einem bestimmten Markt oder Marktsegment.
  • Breite | Damit zusammenhängend ist die Breite respektive Diversifikation der Anlagen ein Vorteil. Der Anleger ist mit einem passiven Fonds per se schon recht gut diversifiziert. Allerdings gilt dies für viele aktiv verwaltete Fonds auch. Selbst aktive Fonds, welche von sich behaupten, sehr konzentriert anzulegen, sind in Tat und Wahrheit mit 20-30 Titel schon gut diversifiziert.


Kritische Aspekte

Undifferenziertheit | Mit einer klassischen, marktgewichteten indexierten Anlage kauft man einfach den gesamten Markt – unabhängig davon, ob man die einzelnen Titel auch individuell im Depot haben möchte. Skandalumwobene Titel sind in einem Indexfonds ebenso vertreten wie schlecht finanzierte und konkursgefährdete Firmen. Im Bereich der Obligationen zeigt sich die fast schon paradoxe Situation, dass man mit dem Kauf des Index’ automatisch die am meisten verschuldeten Länder oder Firmen im Depot hat. Ob dies wünschenswert ist, steht auf einem anderen Blatt. Kurzum: Es wird nicht auf die Qualität der Emittenten oder Firmen geschaut.

Gambling | Mit der erhöhten Liquidität von insbesondere ETFs hat an den Märkten die Gambling-Szene ein weiteres Instrument gefunden, um ihrer Tätigkeit zu frönen. ETFs sind innerhalb von Sekunden gekauft oder verkauft und es ist mittlerweile anerkannt, dass das undifferenzierte Kaufen und Verkaufen des «Marktes» die Volatilität desselben erhöht. Ob das gut ist, oder nicht, muss jeder Marktteilnehmer für sich entscheiden. The Blue Finance findet es keine gute Entwicklung.

Herdentrieb | Der Herdentrieb, eines der am meisten beobachteten und dokumentierten Phänomen der Behavioural Finance, wird durch ETFs verstärkt. Wenn die Differenzierung der Anlagen keine Rolle mehr spielt, dient das Tun der Herde als Orientierung für die eigene Marktaktivität.

Trittbrettfahren | Obwohl dies vielleicht nicht in aller Deutlichkeit gesagt werden sollte, sind klassische Indexinvestoren Trittbrettfahrer von aktiven, Aufwand für aktive Analyse betreibenden Investoren.

Indirektes Eigentum | Indexinvestoren haben nicht die gleiche Haltung den gehaltenen Firmen gegenüber, wie Investoren, welche sich eine Aktie oder eine Obligation bewusst ins Depot legen. Sie können beispielsweise ihre Stimmrechte nicht aktiv wahrnehmen und ihre Stimmen versinken so im Meer der vielen, man darf sagen, gleichgültigen und anonymen Investoren.

Für den Investor stellt sich also die Frage, ob er lieben einen Korb an ausgewählten Kirschen kaufen möchte, oder ob er einfach die ganze Ernte kauft.

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